Seit 5 Jahren im Tiny House: “Das gesparte Geld kostet mich ein Stück soziales Leben”

In den letzten Jahren haben sich Tiny Houses als alternative Wohnform für viele Menschen etabliert, die den minimalistischen Lebensstil schätzen. Amber, eine junge Frau aus den USA, lebt seit fünf Jahren in einem dieser Miniatuhäuser zusammen mit ihrem Partner. Doch wie sie gegenüber Business Insider sagte, ist das Leben auf kleinem Raum nicht immer so idyllisch, wie es wirkt. Vor allem die eingeschränkte Privatsphäre und negative Folgen für ihre Beziehung werfen die Frage auf, ob der Tiny-House-Traum für jeden passt.
Wenn der Platz knapp wird
Amber spricht offen über die Schwierigkeiten, die das Leben im Tiny House mit sich bringt. Ein großes Problem ist die fehlende Privatsphäre. „Egal, wie sehr man jemanden liebt: Wenn man rund um die Uhr zusammen ist, nervt man sich zwangsläufig gegenseitig“, erklärt sie. Das ständige Beisammensein führt immer wieder zu Reibungen, die ihre romantische Beziehung belasten.
Auch soziale Kontakte und Besuche von Freunden oder Familie sind stark eingeschränkt. In ihrem Tiny House passen nur zwei Stühle rein, ein Esstisch für acht Personen ist unmöglich. Viele Gäste bleiben aus Rücksicht auf den ohnehin knappen Platz lieber weg. Treffen mit Familie und Freunden finden dann oft außerhalb des eigenen Zuhauses statt – vorausgesetzt, jemand anderes stellt einen Raum zur Verfügung, betont Amber.
Geld sparen – soziale Folgen nicht vergessen
Amber sagt, dass sie beim Wohnen auf kleinem Raum bei Nebenkosten und Möbeln spart. Gleichzeitig zahlt sie diese Ersparnis aber mit verpassten Einladungen, ausgelassenen Familienfeiern und dem Gefühl, dass Zusammengehörigkeit verloren geht: „Was ich an Nebenkosten und Möbeln spare, bezahle ich mit verpassten Einladungen, Familienfeiern und dem Verlust der Zusammengehörigkeit“, ergänzt sie. Das zeigt das Spannungsverhältnis zwischen finanziellen Vorteilen und den emotionalen und sozialen Nachteilen dieses Lebensstils.
Warum immer mehr Leute Tiny Houses wollen und was es kostet
Das Interesse an Tiny Houses wächst kontinuierlich, vor allem seit 2018, wie Recherchen zeigen. Besonders urbane Bewohner, die einen minimalistischen Lebensstil bevorzugen, interessieren sich zunehmend dafür. In Deutschland stieg die Nachfrage nach Tiny Houses im Jahr 2022 deutlich an und machte 24 Prozent der Bauanfragen auf der Plattform Comobau aus (eine Plattform für Bauanfragen). Trotzdem sind die Einstiegskosten hoch: Die Grundkosten beginnen bei 40.000 €, während zusätzliche Ausgaben für Solarsysteme und Genehmigungen die Gesamtkosten weiter nach oben treiben können.
Beispiele aus den USA zeigen, wie groß die Preisspanne ist: Ein Mann aus Ohio bietet sein Tiny House als das „kleinste Tiny House der Welt“ für lediglich 4.600 € an, während ein luxuriöses Modell wie das „Golden House“ mit 26 m² rund 230.000 € kostet.
Ämter, Genehmigungen und andere Hürden
Neben den finanziellen Fragen spielen auch rechtliche Hürden eine Rolle. In vielen Gemeinden ist dauerhaftes Wohnen in Tiny Houses nur eingeschränkt erlaubt, weil eine reguläre Baugenehmigung nötig ist. Stationäre Tiny Houses müssen außerdem an Wasser-, Strom- und Abwasserversorgung angeschlossen werden, was zusätzliche Kosten verursacht.
Das Leben in einem Tiny House wirft viele Fragen auf und bringt Herausforderungen mit sich, die Interessierte sorgfältig abwägen sollten. Die finanzielle Ersparnis und der Wunsch nach einem nachhaltigeren Lebensstil stehen oft im Gegensatz zu den Einschränkungen und Belastungen im sozialen und zwischenmenschlichen Bereich. Immer mehr Menschen entdecken die Vorteile dieses Wohnmodells, aber es bleibt wichtig, die eigenen Prioritäten klarzumachen und genau zu überlegen, wie viel man bereit ist zu opfern, um in einem Tiny House zu leben.