„Lage äußerst besorgniserregend“: Europäischer Rechnungshof warnt vor Europas Abhängigkeit von „wenigen Drittländern“ bei der Beschaffung kritischer Rohstoffe

Europa steht vor großen Problemen bei der Rohstoffversorgung
Europa steht vor großen Problemen bei der Rohstoffversorgung

Der Europäische Rechnungshof (ERH) hat am Montag einen Bericht veröffentlicht, der klar macht, wie schwer es der Europäischen Union fällt, ihre Abhängigkeit von einer “handvoll Drittstaaten” bei der Versorgung mit kritischen Rohstoffen zu verringern. Diese Rohstoffe sind für die Energiewende, die Wettbewerbsfähigkeit und die strategische Autonomie der EU unverzichtbar. Der Bericht ist wichtig, weil er die bestehenden Risiken und Hürden auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Zukunft aufzeigt.

Kritische Rohstoffe: warum sie so wichtig sind

Zu den im Bericht als kritisch eingestuften Rohstoffen gehören Lithium und Nickel für Batterien, Kupfer für elektrische Installationen und Seltene Erden für Offshore-Windkraftanlagen. Insgesamt werden 26 Mineralien als kritisch eingestuft. Besonders im Blick steht die Abhängigkeit der EU von Ländern wie China, das als führender Produzent und Verarbeiter dieser Rohstoffe gilt. Die strategische Abhängigkeit von wenigen Produzenten kann die Position der EU als geopolitische Macht schwächen, vor allem wenn Handelspartner diese Abhängigkeit ausnutzen könnten.

Keit Pentus-Rosimannus, Mitglied des ERH und verantwortlich für das Audit, bringt das auf den Punkt: “Ohne kritische Rohstoffe gibt es keine Energiewende, keine Wettbewerbsfähigkeit, keine strategische Autonomie.”

Recycling und Verarbeitung: was gerade Probleme macht — und was möglich wäre

Der Bericht betont, dass die EU ihre Recyclingstrategien deutlich verstärken muss, um unabhängiger zu werden. Derzeit haben nur 7 der 26 kritischen Materialien Recyclingraten zwischen 1 % und 5 %, während 10 Materialien überhaupt nicht recycelt werden. Diese Zahlen sind alarmierend, gerade angesichts der geplanten langfristigen Verordnung, die im Jahr 2024 verabschiedet werden soll, um die Versorgungssicherheit dieser Mineralien zu stärken.

Die Realität sieht so aus, dass Projekte zur Förderung und Extraktion dieser Rohstoffe in Europa sehr unterentwickelt sind und “Jahrzehnte dauern” können, bis sie betriebsbereit sind. Außerdem sei die Verarbeitungskapazität innerhalb Europas, laut ERH-Bericht, “quasi zum Stillstand gekommen” — unter anderem wegen der hohen Energiekosten.

Was die EU plant — und welche Fragen bleiben

Politisch plant die EU, im Jahr 2024 eine Verordnung zu verabschieden, die langfristig die Versorgungssicherheit für die 26 kritischen Mineralien sichern soll. Teil dieser Strategie ist auch die Förderung von Recyclingprozessen, auch wenn der Bericht darauf hinweist, dass das allein wahrscheinlich nicht ausreichen wird, um die Versorgungslücken zu schließen.

Die wirtschaftlichen und geostrategischen Herausforderungen sind erheblich. Die Abhängigkeit von einer “handvoll Drittstaaten” bedroht die Fähigkeit der EU, ihre geopolitische Stellung zu behaupten und das Ziel strategischer Unabhängigkeit zu erreichen. Das ist besonders brisant vor dem Hintergrund, dass die Rohstofflieferungen bis zum Ende des Jahrzehnts nicht vollständig gesichert erscheinen.

Was das für Europas Zukunft heißt

Der Bericht des Europäischen Rechnungshofs macht deutlich, dass die EU dringend handeln muss, um ihre strategische Autonomie zu stärken und die Abhängigkeit von externen Rohstofflieferanten zu verringern. Die Rolle der kritischen Rohstoffe für die Energiewende und die Wettbewerbsfähigkeit der EU lässt sich kaum überbewerten. Europäische Entscheidungsträger müssen innovative Lösungen finden, um die bestehenden Lücken zu schließen und die EU auf einen nachhaltigeren und unabhängigen Kurs zu bringen. Das würde nicht nur die Klimaziele unterstützen, sondern auch die geopolitische Position Europas stärken und das Risiko einer übermäßigen Abhängigkeit von wenigen globalen Akteuren verringern.