Die Hälfte der Gen Z weigert sich, ins Büro zurückzukehren – weil sie während der Arbeit ihre Lieblingsserien nicht mehr durchsuchten kann

Wie junge Mitarbeitende sich verändern: Streaming während der Arbeitszeit
Wie junge Mitarbeitende sich verändern: Streaming während der Arbeitszeit

In den letzten Jahren hat sich die Arbeitswelt massiv gewandelt, angetrieben von der COVID-19-Pandemie. Eine auffällige Veränderung ist, wie junge Mitarbeitende ihren Arbeitsalltag gestalten. Im Homeoffice, das während der Pandemie zur Norm wurde, gehören Streaming‑Dienste für viele junge Menschen inzwischen zur täglichen Routine. Das wirft Fragen für Arbeitgeber auf, die versuchen, Beschäftigte wieder verstärkt ins Büro zu holen.

Die Generation Z (etwa Jahrgänge 1997–2012) und andere junge Arbeitnehmende haben in der Pandemie mehr Freiheit entdeckt, ihre persönliche Zeit während der Arbeitszeit selbst zu organisieren. Tubi, ein Streaming‑Dienst, der zur Fox Corporation gehört, führte eine nationale Umfrage durch und fand heraus, dass 84 % der Generation‑Z‑Arbeitenden zugeben, während der Heimarbeit Serien oder Filme zu schauen. Viele sehen das nicht nur als passiven Konsum, sondern als notwendige Pause und als eine Art Stimulation, um konzentriert zu bleiben.

Streaming im Job: eine neue Arbeitsrealität

Für viele junge Mitarbeitende ersetzt das Streamen von Serien und Filmen die sozialen Interaktionen, die im Büro wegfallen. Die spontanen Gespräche beim Kaffee oder zwischendurch fehlen im Homeoffice, und Streaming bringt eine eher passive, aber dennoch soziale Komponente ins Spiel. In hybriden Arbeitsmodellen, die mittlerweile in vielen Branchen üblich sind, stellt sich deshalb die Frage, wie Produktivität und Verantwortlichkeit neu definiert werden können.

Interessant ist auch das Phänomen der “falsified activity”. Einer 2024 durchgeführten Studie von Workhuman zufolge gaben über 30 % der Generation Z und der Millennials an, ihre beruflichen Tätigkeiten während der Arbeitszeit vorgetäuscht zu haben. Das wirft Fragen zur Authentizität und zur Messbarkeit von Produktivität in der digitalen Arbeit auf.

Zurück ins Büro: Pro und Kontra

Jamie Dimon, Chairman und CEO von JPMorgan Chase, ist einer der lautstärksten Befürworter der Rückkehr ins Büro. Er argumentiert, dass das Homeoffice für junge Mitarbeitende ineffizient sei, und drängt darauf, dass alle wieder ins Büro kommen. Arbeitgeber sorgen sich besonders wegen der vermeintlichen Ineffizienz des Homeoffice, weil Fragen zu Produktivität und Verantwortlichkeit offen bleiben.

Dagegen sieht Cynthia Clevenger, Senior Vice President, B2B Marketing bei Tubi, das Verhalten der jungen Mitarbeitenden als Ausdruck eines breiteren Wandels im Umgang mit Aufmerksamkeit und Pausen. Streaming sei nicht nur Zeitvertreib, sondern ein Teil des modernen Arbeitsalltags. Meisha‑ann Martin, Senior Director, People Analytics bei Workhuman, warnt ebenfalls davor, diese Verhaltensweisen einfach als Faulheit abzutun. Sie weist auf den wachsenden psychischen Druck unter Mitarbeitenden hin.

Wie es weitergeht: Chancen und Herausforderungen beim Streaming im Job

Simran Bhatia, Head of People Operations bei Reality Defender, schlägt vor, dass Streaming eine Methode sein könnte, um im Homeoffice wachsam zu bleiben. Sie vergleicht das mit “body doubling” (einer Technik, die Menschen mit ADHS hilft, fokussiert zu bleiben). Patrice Lindo, CEO von Career Nomad, empfiehlt Unternehmen, sich Gedanken darüber zu machen, wie Aufmerksamkeit und Produktivität in der modernen Arbeitswelt definiert werden sollten.

Homeoffice und Streaming bringen sowohl Vorteile als auch Herausforderungen mit sich. Wie Unternehmen auf diese veränderten Erwartungen reagieren, kann für ihren zukünftigen Erfolg wichtig sein. Während die Debatte zwischen Autonomie und Überwachung weitergeht, streben jüngere Generationen danach, Arbeit flexibler und persönlicher zu gestalten. Unternehmen, die das verstehen und sich anpassen, könnten in der neuen Arbeitswelt vorn liegen.